Die Tat ist alles,
nichts ist der Ruhm,
dein Leben sei die Tat.
Zur Vervollständigung der Vereinsgeschichte ist es erforderlich, die Entstehung des Turn-Clubs Köln-Poll seit dem Jahre 1897 zu verfolgen. Damals wurde der Turnverein 1897 Cöln-Poll gegründet. Es war ein Gebilde, was nicht richtig gedeihen konnte, weil den Mitgliedern der turnerische Geist und der erforderliche Idealismus fehlten. Wie es zu der damaligen Zeit üblich war, besuchte man die sogenannten "Turnfeste" in der näheren Umgebung nur zu dem Zweck, um "Siegespreise" zu ringen und zu kämpfen, die mehr oder weniger Wert darstellten. Dies brachte mit sich, daß es eine kleine Anzahl Turner gab, die auf diese Weise nur Vorteile aus der Zugehörigkeit zum Verein zogen, während die anderen Mitglieder die finanziellen Opfer bringen mußten. Dadurch entstand im Laufe der Zeit Mißstimmung und Streit, was schließlich im Jahre 1904 dazu führte, daß der Turnverein 1897 nach 7-jährigem Bestehen aufgelöst wurde. Das nach zuverlässigen Quellen etwa 200 Mark betragende Vereinsvermögen wurde nach scharfen Auseinandersetzungen auf die Mitglieder verteilt. Der damalige Gastwirt Jean Schmitz kaufte die Geräte auf und stellte sie einigen Getreuen, die damals schon von den Jahnschen Idealen beseelt waren, zur Verfügung, um so ein Fundament für die Wiederaufnahme des Turnbetriebes in Köln-Poll zu schaffen.
Am 4. 11. 1904 gründeten dann u. a. Jean Hackenbroch, Matthias Hamacher, Johann Hinsberg, Matthias Lob und Willi Nothhelfer den Turn-Club 1904 Köln-Poll. Auf der Gründungsversammlung wurde beschlossen, die Satzungen sogar so zu formulieren, daß selbst die Kinder der ausgeschiedenen Mitglieder des TV. 1897 nicht mehr in den neugegründeten TC. 1904 auf-genommen werden durften. Dieser Beschluß wurde allerdings bald wieder rückgängig gemacht. Es muß eingestanden werden, daß auch in dem neugegründeten Club in der Anfangszeit der Turnbetrieb hauptsächlich nur in dem Rahmen gestaltet wurde, wie dies beim aufgelösten Turnverein üblich war. Lediglich waren die "Schwerathleten" nunmehr auch zu finanziellen Opfern bereit.
Das Hauptziel unseres verstorbenen Alterspräsidenten Willi Nothhelfer - genannt "Ohm Will" - und des heutigen Ehrenmitglieds und Jubilars Johann Hinsberg war, das Geräteturnen mehr als bisher zu fördern und ihm ansehen zu verschaffen. Bald fanden sich neue Mitglieder, die mit Lust und Liebe an den selbstgezimmerten Geräten turnten, bis der erste Weltkrieg den Turnbetrieb fast zum Stillstand brachten. Sieben hoffnungsvolle Turner starben den Heldentod; fürwahr ein großer Verlust Wir einen kleinen Verein.
Durch diese schmerzlichen Abgänge und eine Krise, die es in jedem Vereinsleben einmal gibt, kam es soweit, daß kurz vor dem 25. Stiftungsfest nur noch fünf aktive Mitglieder dem Club angehörten. Dafür, daß diese fünf Aufrechten nicht resignierten. ja sogar noch den Entschluß faßten den Club auf eine andere Ebene zu führen, sei ihnen heute noch gedankt.
Angeregt durch das Erlebnis des Deutschen Turnfestes 1928 in Köln wurde der Entschluß gefaßt, dem Verband der Deutschen Turnerschaft beizutreten. Die Sammlung für die Finanzierung des silbernen Jubelfestes brachte namhafte Beträge aus allen Schichten der Poller Bevölkerung ein, wodurch der Club in finanzieller Hinsicht ein sicheres Fundament erhielt. Neben den Gründern rückten beim 25. Stiftungsfest neue Männer ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Besondere Erwähnung verdient dabei der spätere Oberturnwart und zeitweilige Vorsitzende Peter \Vefers sen. Welchen Aufschwung der Club durch das Jubelfest erreichte, geht am besten aus dem damaligen Vereinsbericht hervor, in dem berichtet wurde, daß kein zweiter Verein im Kreise über Nacht seine Mitgliederzahl von 5 auf 67 erhöhen konnte. Der Inhalt der Turnstunden änderte sich von diesem Zeitpunkt ab grundlegend. Neben dem Geräteturnen wurde nun auch besonderer Wert auf Gymnastik und Leichtathletik gelegt, wodurch es möglich wurde, nun auch weibliche Mitglieder in den Club aufzunehmen. Unter der hervorragenden Leitung der Frauenturnwartin Fräulein Sophie Basseng entstand eine vorbildliche Turnerinnenabteilung. Im Zusammenwirken mit der Männerabteilung wurden alljährlich Schauturnen veranstaltet, die turnerisch und gesellschaftlich auf hohem Niveau standen. Der Mitgliederbestand vergrößerte sich stetig, bis der zweite Weltkrieg einen neuen Rückschlag brachte. Der Verlust der Turnhalle und aller Turngeräte sowie der Tod von zwölf treuen Turnern brachte das Vereinsleben zum Erliegen.
Nach dem Zusammenbruch ergriff wieder Willi Nothhelfer die Initiative und fertigte mit den Turnbrüdern Grund, Küpper, Fregona und Schulten behelfsmäßig neue Geräte an und brachte den Turnbetrieb wieder in Gang. Da die alte Turnstätte im Saale Nothhelfer völlig zerstört war, wurde das Turnen behelfsmäßig im Saale bzw. auf dem Hofe der Gaststätte Jompertz durchgeführt. Junge Turnerinnen und Turner traten in den Club ein und langsam ging es wieder aufwärts. Im Wechsel führten seitdem Willi Nothhelfer, Robert Drathen, Konrad Mommers und Willi Brodesser bis zum 50. Stiftungsfest den Club. Vereinslokal und neue Turnstätte wurden in der Zwischenzeit die Gaststätte Degen, wo allerdings der auch nur behelfsmäßig durchgeführt werden konnte, weil der Saal durch den Krieg stark beschädigt war.
Nur der Möglichkeit, im Sommer auf den Poller Wiesen Leichtathletik und Turnspiele zu betreiben, ist es zu verdanken, daß der Mitgliederstand erhalten blieb. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß die Fausthaller des Clubs nach deinem Kriege einige Jahre zur Spitzenklasse des Kölner Turnkreises gehörten.
Im Juli 1954 konnte der Club sein 50. Stiftungsfest feiern. Ihm gehörten damals 5 Ehren-, 72 aktive und 29 inaktive Mitglieder an. Es spricht für die Wirksamkeit turnerischer Ideale und Opferbereitschaft dieser Mitglieder, die ihren vollen Beitrag jahrelang zahlten, ohne turnen zu können, weil seit 1955 auch im Vereinslokal keine Möglichkeit zum Turnen mehr bestand.
Als die langersehnte Turnhalle endlich im Jahre 1961 fertiggestellt war, konnte sofort ein ordentlicher Turnbetrieb unter Leitung von Sportlehrern aufgenommen werden. Die Mitgliederzahl hat sich seit diesem Zeitpunkt ständig erhöht. Der Club zählt heute 282 Mitglieder, eine in unserer Vereins Geschichte bisher nicht dagewesene Mitgliederzahl.
Dieser Erfolg ist in erster Linie auf die hervorragende Tätigkeit unserer Sportlehrkräfte und die gezielte Tätigkeit des ehrenamtlich amtierenden Vorstandes und Turnrats zurückzuführen. Den Vorsitz des Clubs führten seit dem 50. Stiftungs-fest bis heute im Wechsel die Turnbrüder Burgwinkel, Küpper und Brodesser. Wir wollen bestrebt sein, den Turngedanken in Poll getreu nach dem Vorbild unseres Turnvaters Jahn nach besten Kräften weiter zu erhalten.
Allen aber, die sich um den Club verdient gemacht haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.
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